Sonntag, 22. April 2012

Zwei Monate...


… bin ich jetzt schon in Indien. An viele Dinge habe ich mich gewöhnt und viele Dinge nehme ich einfach gelassener. Aber dann gibt es immer wieder Situationen, die ich einfach nicht verstehe und nicht verstehen will.
Ende des Monats soll ich an das Front Office wechseln, darauf freue ich mich schon, obwohl die Arbeit im Ayurveda Bereich Spaß macht. Ich sitze viel am PC und programmiere mit VBA, ich übersetze bei Konsultationen wenn die Gäste es wünschen und schreibe Anwendungspläne für die Ärzte. Außerdem begleite ich immer wieder Gäste auf Trips, was aber trotz allem Spaß sehr anstrengend ist. Man muss 100% bei der Sache sein und ist Gesprächspartner und „Babysitter“ in einem. Aber so komme ich wenigstens raus aus dem Resort und lerne die Umgebung kennen. So bin ich schon einige Male durch die Backwaters bei Cochin geschippert. Habe die Menschen da kennengelernt und die Art wie sie leben. Als Tourist wird man ganz selbstverständlich eingeladen, überall wird einem etwas zu essen oder zu trinken angeboten und wenn die Menschen merken, dass man noch länger hier ist, wird man dann auch noch zur der Familie nach Hause eingeladen. Wir haben so viele Einladungen bekommen, wir müssten 3-4 Wochen hinten anhängen, um alle besuchen zu können.
In Thrissur war ich jetzt auch schon einige Mal, um die Gäste beim Shoppen zu begleiten. In dem einen Bekleidungsgeschäft kennen mich einige Verkäufer schon beim Namen. Ich falle aber auch überall auf wie ein bunter Hund und werde angestarrt und angesprochen. Große, weiße, rotblonde Frau mit Sommersprossen.
Aber mittlerweile gewöhne ich mich auch daran.
Am Dienstag ging dann auf einem Trip zu einem Elefantenpark ein Traum in Erfüllung. Ich konnte einen Elefanten streicheln. Ein wunderschönes Erlebnis. In diesem Elefantenpark leben ca.65 Elefanten, die zum nahegelegen Tempel gehören. Sie werden da trainiert, gefüttert und geputzt. Der Fahrer, der uns zum Park gebracht hatte, kannte einen der Trainer, der uns dann eine Privatführung gegeben hat. Die Elefanten sind nur mit Ketten gesichert, es gibt keine Zäune oder Gitter. Es kann passieren, dass du dich umdrehst und es läuft ein Elefant hinter dir, der zum Waschplatz geführt wird. Einfach ein Erlebnis. Auch so, wenn man durchs Land fährt, kann es sein, dass auf der Gegenseite ein LKW vorbeifährt, auf dem ein Elefant transportiert wird. Normalität.

Auch das Erlebnis „Saree“ habe ich schon hinter mir. Letzten Samstag war das große Neujahrsfest in Kerala. Normalerweise tragen die Frauen zu diesem Anlass den traditionellen keralischen Saree. Da aber nicht alle Mädels der Rezeption an diesem Tag da waren, hatten wir uns darauf geeinigt, dann alle Sonntag den Saree zu tragen. Sonntagmorgen sind wir dann zu einer Kollegin, die gegenüber wohnt gegangen, damit sie uns hilft diesen Saree anzuziehen, was gar nicht so einfach ist. Dann wird da gefaltet und da gewickelt und nachher hat man 6-8 Meter Stoff am Körper. Leider wurde aus der gemeinsamen Trageaktion nichts, weil die zwei Mädels die am Samstag nicht da waren, Sonntag auch nicht gekommen sind (spontan krank geworden) und die Kollegin, die uns angezogen hat, hat sich auch anders entschieden, weil sie Samstag ja schon einen getragen hat. Also waren nur Josi und ich im Saree und sehr enttäuscht. Aber daran haben wir wieder gemerkt, dass man sich auf das Wort nicht verlassen kann. Wenn was abgemacht wird, dann kann man zu 99% sicher sein, dass es sich 1. noch 1000 Mal umgeworfen wird und dann wieder gesagt wird und 2. dass sich keiner daran hält.
Aber zurück zum Sareeerlebnis. Ich habe mich sehr in meiner Bewegung beengt gefühlt und ich konnte nicht ich sein. Außerdem ist das Ding mega warm und einfach unbequem. Es verfängt sich zwischen den Beinen, es rutscht und der Bauch schaut raus. Aber zumindest hab ich jetzt einen Saree und das reicht auch.

Auch an das indische Essen habe ich mich langsam gewöhnt bzw. überwöhnt. Ich kann keinen Reis mehr sehen. Mittags und abends immer Reis, dazu dann ein Curry oder Sambal. Montags- und Mittwochsabends gibt es Fischcurry, das megascharf ist. Aber der Fisch ist sehr sehr lecker. Darauf freuen wir uns immer. Dazu gibt es dann entweder Kohl-Kokossalat oder Mungobohnen-Kokossalat. Beides richtig lecker. Dienstagsabends gibt es Chapatty und Braune Erbsen-Curry. Chapatty sind dünne Teigfladen aus dunklerem Mehl. Eigentlich lecker, aber es fehlt immer der Pfiff.
Donnerstags Mittag gibt es mein Lieblingsessen. Fried Fish mit Kürbiscurry und Reis. Der Fisch ist superknusprig gebraten und einfach sehr sehr lecker. Leider immer nur so ein kleiner Fisch. Samstagsabends gibt es zum Reis und Curry meistens noch ein gekochtes Ei, was wirklich ne Abwechslung ist. Und sonntags gibt es dann Fleischcurry mit Reis. Mittags und abends. Scharf und man weiß immer nicht wirklich was für Fleisch ist, aber wenigstens Fleisch.
Und zum Frühstück. Da gibt es montags Grieß, aber nicht süß, sondern herzhaft mit Banane. Dienstags gibt es Appam (Fladen aus Weizenmehl) mit Curry, Mittwoch gibt es Kokosnussgeraspeltes (nicht süß) mit Curry und die anderen Tage gibt es Dosa (Reisfladen). Da auch immer Zucker auf dem Tisch steht, essen wir die Fladen immer süß als Pfannkuchenersatz.

An unseren freien Tagen, einer pro Woche, waschen wir dann meistens die Wäsche der Woche, räumen auf und putzen unser Zimmer und versuchen Kraft für die Woche zu tanken. Am späten Vormittag gehen wir dann häufig zum Strand und relaxen da. Je nachdem, ob wir noch einkaufen müssen, rufen wir uns gegen Abend ein Tuktuk, das uns ins 6km entfernte Tripprayar bringt und da auch auf uns wartet. Je nach Lust und Laune nehmen wir dann auch noch was zu Essen mit. Was nicht wirklich teuer ist. Letztes Mal hatten wir uns zwei Portionen Chickenbiryani besorgt und es war einfach zu viel Essen. In jeder Portion Unmengen von Reis und ein halbes Hühnchen. Dazu warmes Tzaziki und Pickels.

Ich habe mich eigentlich gut eingelebt, aber trotzdem zähle ich die Tage bis ich wieder zuhause bin und freue mich schon sehr darauf.
Traditioneller Saree

Fischer in den Backwaters



2 Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Wiebke :) Liebsten Dank für deinen wunderbaren Erlebnisbericht und die schönen Fotos. Den Saree solltest du nochmal anziehen und vielleicht auch deine Freundin :) du siehst entzückend aus! Ich hoffe, dass deine Zeit and er Rezeption nicht zu einsam wird und dass du noch sehr sehr viele Erlebnisse wie das mit den Elefanten haben wirst. Leben die Familien der Angestellten auch in der Nähe vom Ressort, gibt es Schulen etc. in eurer Nähe?
    Bleibt so munter ihr beiden und vor allem GESUND!
    Sei herzlich gegrüßt aus dem sonnigen Neuss
    deine Anny

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  2. Liebe Wiebke, das ist wirklich sehr spannend zu lesen. Wir waren Ende Januar eine Woche in Kerala (nach 2,5 Wochen in Rajasthan) und fanden Indien sehr gewöhnungsbedürftig. Wunderschön, beeindruckend auf der einen Seite, unverständlich und fremd auf der anderen. Umso mehr bewundere ich Dich für Deine Abenteuerlust. Halte durch! Das ist eine tolle Erfahrung, die Du erst richtig zu schätzen wissen wirst, wenn Du etwas Abstand hast und wieder daheim bist. Versprochen! Und im Saree siehst Du superhübsch aus. Ich habe mich immer gefragt, wie man sich darin bewegt. Für mich wäre das auch nichts. Ist aber sicher Gewohnheit. Und die meisten Inderinnen sehen sehr hübsch und würdevoll darin aus, findest Du nicht?

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